Monatliche Notizen: Juni 2024

In den monatlichen Notizen möchte ich mit dir kurze Texte teilen, die in ruhigen Momenten entstehen dürfen. Manchmal angeregt durch Schreibaufgaben aus diversen Schreibkursen, manchmal Gedanken, die aufs Papier wollten.

14 Zeilen

Ich bin ein dicker, pinker Acrylmarker.
Momentan fühle ich mich gerade sehr gelangweilt.
Viel lieber, als hier zu liegen, würde ich gerne meine Spuren auf einem Blatt Papier oder einer Leinwand hinterlassen.
Mein Leben fühlt sich zurzeit wie das eines Singles an.
In diesen ruhigen Stunden träume ich davon, Teil großer Kunst zu sein.
Meine größte Angst ist, eingetrocknet zu sein, bevor ich richtig in Aktion treten durfte.
Ich möchte, dass sich andere über meine fröhliche Farbe freuen.
Die Langweile bringt meinen Schlafrhythmus total durcheinander, sodass ich nachts wach auf dem Schreibtisch liege.
In meinem Leben gibt es noch nicht viele große Highlights, außer dass ich einmal auf einem Schmierzettel ausprobiert worden bin.
Das Schlimmste, was ich je getan habe, war zu überlegen, wie ich wohl am schnellsten eintrockne, damit das alles ein schnelles Ende nimmt.
Und genau das ist es, was mich schuldig fühlen lässt, dass ich keine Geduld habe.
Meine liebste Tageszeit ist abends, wenn meine Künstlerin neben mir am Schreibtisch sitzt.
Meine Aufgabe ist, Farbe und Freude in die Welt zu bringen.
Meine Hoffnung ist, dass die Menschen lange nachdem ich eingetrocknet bin, sich an meinen Spuren erfreuen.

Hausnummer

Das mit den Hausnummern in unserer Siedlung ist so eine Sache. Im Innenhof begegnet man immer wieder Menschen mit verwirrten Gesichtern: Paketzusteller, Versicherungsvertreterinnen, Besucher, … Sie finden den gesuchten Eingang nicht. Ich kann nur in den seltensten Fällen helfen, denn auch ich blicke da nicht durch – zu verwirrend.

Ich mag unseren Hauseingang, der im Hinterhof ist. Es fahren nur selten Autos durch. Kinder spielen auf der Wiese, Mütter sitzen auf der Bank und tratschen.

Mitten in der Kleinstadt und doch versteckt. Über zwölf Jahre gehe ich durch diesen Innenhof zu unserer Haustür. Die Jahre vorher haben meine Haustüren oft gewechselt. Trennungen waren meist der Grund dafür.

Zwölf Jahre schon gehe ich die Stufen zur Haustür hinauf. Hier bin ich zuhause. Das habe ich nicht über jede Wohnung gesagt. Es passt. Es passt in der Beziehung. Es passt in der Wohnung.

Flüssige Nahrung

Es gab in meinem Leben immer wieder Tage, da war mir flüssige Nahrung lieber. Wenn jeder Biss wegen einer lästigen Zahnfleischentzündung schmerzte. Oder wenn die Kraft vor lauter Husten nicht mehr reicht, um etwas Anständiges zu essen.

Flüssige Nahrung. In meiner Jugend handelte es sich hierbei um alle möglichen alkoholischen Getränke. Das fühlte sich cool und erwachsen an. (So sehr kann man sich täuschen.) Was für Partys haben wir gefeiert! Wie würde Barney von der Serie „How I Met Your Mother“ sagen: „Legendär!“

Flüssige Nahrung. Als Kind liebte ich die Baby-Milchbreie. Ich entdeckte sie wieder, als mein Cousin ein Baby war. Oh, der Kakao-Brei war wirklich gut. Er hatte Ähnlichkeit mit einem Grießbrei. Sollte ich mir wieder einmal machen, der Erinnerungen wegen.

Springen

Mit dem Springen habe ich es nie so gehabt. Entweder habe ich Angst vor der Höhe oder davor, mich zu verletzen.
In der Hauptschule gingen wir immer wieder einmal im Turnunterricht ins Stadion. Dort trainierten wir unter anderem Weitspringen. Anlaufnehmen, sich vom Boden abstoßen und spriiiingen. Weit bin ich nie gekommen. Das ging meiner Turnlehrerin nicht ein, da ich ja so groß bin. Ich müsste unter den Besten sein. War ich nie.

Springen, im Leben etwas wagen. Auch nicht so meine Sache. Sicherheit ist mir wichtig. Bevor ich etwas wage, betrachte ich es aus den unterschiedlichsten Perspektiven, erstelle Listen und Kalkulationen. Ich taste mich langsam vor, mache dann erst wieder einen Rückzieher. „Das ist es mir nicht wert.“, beschließe ich meist.

Springen, im Leben etwas wagen. Ich lasse es gerne geschehen. Die Weichen stelle ich schon, aber ich springe nicht. Es ist eher wie eine Zugfahrt mit Bahnhöfen zum Verweilen und mit Umleitungen.

Wie ist es bei dir? Fährst du auch mit dem Zug, springst du, oder ist es bei dir ganz anders?

Was meine Aufmerksamkeit braucht

  • Wendy, die um 23:32 Uhr vor meiner Zimmertür steht, weil sie nicht allein schlafen möchte.
  • Die Kinder in der Schule, weil sie so viel zu erzählen haben.
  • Mein Körper, weil er momentan ganz viel Ruhe braucht.
  • Unsere Wohnung, weil sich das Chaos immer mehr ausbreitet.
  • Mein E-Mail-Postfach, weil es schon übergeht.
  • Unser Kühlschrank, weil manches darin gar nicht mehr hineingehört.
  • Mein Konto, weil es in den schwarzen Zahlen bleiben soll.
  • Das angefangene Bild, weil es endlich fertig an der Wand hängen möchte.
  • Unsere Blumenkisten am Balkon, weil sie das Zuhause für eine schöne Blütenpracht sein möchten.
  • Die Schwalben am Himmel, weil es mir Freude bereitet, sie zu beobachten.
  • Der Obstsalat im Kühlschrank, weil es ein Genuss ist, ihn zu essen. (Und ja, er ist noch gut.)
  • Die Sonnenstrahlen, die sich durch die grauen Wolken kämpfe, weil sie mein Gesicht kitzeln wollen.

Platz schaffen

Alles loswerden. Den ganzen Ballast. Das Zeug um mich herum. Zu viele Zeitschriften, zu viele Farben, zu viele Pinsel, zu viele Blöcke, zu viele Stifte, zu viel Bastelmaterial, zu viel Kleidung, zu viel Dekozeug, zu viele Kerzen, zu viele Plastikdosen, einfach zu viel.

Loswerden, all die Gedanken, Sorgen und Ängste. Gedankenkarusselle, die nicht stoppen wollen. Zu viele Gedanken, zu lange Gedankengänge. Sorgen und Ängste, die gar keinen realen Grund haben. Sich Sorgen machen über Dinge, die vielleicht nie eintreten werden. Jetzt schon Angst verspüren vor Situationen, die erst irgendwann einmal sein werden. Einfach zu viel.

Platz schaffen, für die Freiheit, für das einfache Leben. Wie soll es bei mir Einzug halten, wenn alles verstellt ist?

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