Buchrezension: „Glücklich sein“ von Sonja Lyubomirsky

Das Buch „Glücklich sein“ von Sonja Lyubomirsky ist eines meiner liebsten Bücher. Die Autorin ist Professorin am Department of Psychology an der University of California, Riverside. Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich mit dem Thema Glück. Bekannte motivierten sie, ihre Erkenntnisse in ein Buch zu packen. Wie gut, dass sie es gemacht hat. Das Buch bietet einen leicht verständlichen theoretischen Teil inklusive Selbsttests und einen praktischen Teil mit vielen Methoden, wie man längerfristig sein Wohlbefinden steigern kann. Willst du dein Glücksgefühl steigern oder konstant halten? Dann ist das Buch genau richtig für ich.

Wie ist das mit dem Glücklich Sein?

Die Glücksforschung ist ein Teil der Positiven Psychologie. Anfangs wurde das von vielen Wissenschaftlern belächelt. Mittlerweile hat es an Ansehen gewonnen und bietet viele interessante Studien und Ansätze. Im Mittelpunkt der Forschung steht die Frage, was unser Leben lebenswert macht.

Wie bereits erwähnt, forscht Sonja Lyubomirsky schon seit Jahren auf diesem Gebiet. Sie und ihre KollegInnen haben etwas Spannendes herausgefunden:

Vieles, von dem wir uns grundlegende Veränderungen zum Guten erhoffen, wirkt sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kaum auf unser Glücksempfinden aus. Dagegen übersehen wir oft das, was uns tatsächlich persönliches Glück und Wohlbefinden bringt.

Sonja Lyubomirsky

Wir sind oft im Außen und hoffen, dass all das um uns herum uns glücklich machen wird. Ich glaube, jeder von uns kennt das: man möchte etwas unbedingt haben, weil man sich davon erhofft, dann glücklicher zu sein (Wohnung, besserer Job, Partner/ Partnerin, was auch immer). Und was ist, wenn man es hat? Macht es einen auf Dauer glücklich? Eher nicht.

Manchmal reden wir uns auf unsere Umstände raus. Die Kindheit war nicht so leicht, es gab traumatische Erlebnisse uvm. Ja, das prägt, davon bin ich überzeugt. Laut Lyubomirsky ist es nicht notwendig die Kindheit aufzuarbeiten, um ein glückliches Leben zu führen.

Oder ich kenne auch die Aussage, man sei vom Typ her einfach nicht so glücklich, es liegt in der Familie. Keine Frage, wir ticken alle unterschiedlich und jeder hat seine Geschichte. Ich möchte auch nicht Depressionen usw. kleinreden. Überhaupt nicht! Lyubomirsky hat extra auch ein Kapitel zum Thema Depressionen in dem Buch „Glücklich sein“ geschrieben. Aber sie sagt eben auch:

Glüch hat keine Voraussetzungen.

Sonja Lyubomirsky

Eine Erkenntnis aus dem Buch, die mir unsagbar geholfen hat

Lyubomirsky und ihre KollegInnen haben herausgefunden, dass sich das Glücksempfinden wie folgt zusammensetzt:

  • 50 % sind genetisch festgelegt
  • 10 % hängen von den Lebensumständen ab
  • 40 % wird durch das Verhalten beeinflusst
Tortengrafik Glücksempfinden

Es sind wirklich nur 10 %, die von unseren äußeren Umständen abhängen. Also für unser Glücksempfinden ist es nicht so wichtig, ob wir arm oder reich sind, ob wir gesund oder krank sind, ob wir Single oder verheiratet sind, ob wir eine schöne Luxusvilla oder eine Einzimmerwohnung haben. Diese Äußerlichkeiten machen oft nur im ersten Moment glücklich, mit der Zeit legt es sich aber.

Die gute Nachricht ist, dass wir 40 % von unserem Glücksempfinden selber beeinflussen können. Wir haben es in der Hand. Natürlich ist es nicht mit einer einmaligen Handlung getan. Das wäre zu einfach. Es geht um Aktivitäten, die wir längerfristig in unseren Alltag integrieren sollen. Lyubomirsky geht in ihrem Buch auf zwölf Glücksaktivitäten näher ein. Nicht jede Handlung passt für jeden. Deswegen eine feine Auswahl.

Klingt das nach Arbeit, neue Handlungen in den Alltag zu integrieren? Ja, man muss etwas dafür tun. Aber es lohnt sich.

Verglichen mit ihren weniger glücklichen Zeitgenossen sind glückliche Menschen geselliger, haben mehr Energie und sind großzügiger, hilfsbereiter und beliebter.

Sonja Lyubomirsky

Ich würde sagen, das zahlt sich doch aus.

Hintern hoch und los – die Glücksaktivitäten

Was können wir nun aber konkret tun um uns langfristig glücklicher zu fühlen? Vorab die Aufzählung der Methoden laut dem Inhaltsverzeichnisses des Buches „Glücklich sein“:

  1. Entwickeln Sie Ihre Fähigkeit zur Dankbarkeit
  2. Seien Sie optimistisch
  3. Vermeiden Sie Grübeleien und soziale Vergleiche
  4. Seien Sie hilfsbereit
  5. Pflegen Sie Ihre sozialen Beziehungen
  6. Entwickeln Sie Bewältigungsstrategien
  7. Lernen Sie zu vergeben
  8. Schaffen Sie Flow-Erfahrungen
  9. Genießen Sie die Freuden des Lebens
  10. Verwirklichen Sie Ihre Lebensträume
  11. Beschäftigen Sie sich mit Religion und Spiritualität
  12. Sorgen Sie für Ihren Körper: Meditation, Sport, Vorwegnahme des Glücks

In dem Buch „Glücklich sein“ findet man einen Selbsttest um herausfinden zu können, welche Glücksaktivität zu einem passt. Natürlich habe ich das gleich einmal ausprobiert. Die vier Aktivitäten mit der höchsten Punktezahl sollte man in den Alltag integrieren. Eine meiner Glücksaktivitäten möchte ich dir in diesem Blogartikel näher beschreiben.

Verwirkliche deine Lebensträume – setze dir Ziele

Das passt sehr gut, da ich mich in den letzten Wochen mit dem Thema Ziele setzen bereits auseinandergesetzt habe. Schauen wir einmal, was Sonja Lyubomirsky dazu sagt.

Sich Ziele zu setzen, die einem als sinnvoll erscheinen, und darauf hinzuarbeiten, macht Menschen glücklicher als Menschen, die keine Träume und Ziele haben. Die Lebensziele können ganz unterschiedlich ausschauen, zB eine Familie gründen, die Karriereleiter hinaufklettern, eine Weltreise machen. Spannend ist, dass uns der Weg Richtung Ziel längerfristig glücklicher macht, als das Erreichen des Ziels. Das hast du sicher selber schon einmal erlebt. Du arbeitest auf ein Ziel hin, bist im Tun und Träumen. Vorfreude kommt auf, du bist auf deinem Weg. Dann bist du da: du hast dein Ziel erreicht. In dem Moment bist du wahrscheinlich überwältigt. Du hast es wirklich geschafft. Aber was dann? Nach kurzer Zeit tritt ein Gefühl der Leere auf. So geht es vielen. Auch ich habe das schon erlebt. Für mich war es an der Zeit, einen neuen Traum zu finden und neue Ziele zu setzen.

Unsere Arbeit an der Verwirklichung eines sinnvollen Lebenstraums ist eine der wichtigsten Strategien für ein dauerhaft glückliches Leben.

Sonja Lyubomirsky

Welche Arten von Zielen gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Zielen. Das ist nicht unwesentlich, damit man beim Verfolgen der Ziele auch wirklich glücklicher wird. Hier eine kurze Aufflistung:

  • Intrinsische Ziele:
    Das Ziel erscheint lohnenswert und man verfolgt es von sich heraus.
  • Extrinsische Ziele:
    Man verfolgt das Ziel aus oberflächlichen Gründen (Geld, Ansehen,…). Andere halten es für sinnvoll.
  • Authentische Ziele:
    Man hat sich das Ziel zu eigen gemacht. Das Ziel passt zur eigenen Persönlichkeit.
  • Annäherungsziele:
    Man hat ein Ziel hin zu etwas Positiven. (ZB man will gesünder leben – man setzt sich das Ziel, dreimal am Tag eine gesunde Mahlzeit zu sich zu nehmen.)
  • Vermeidungsziel:
    Man hat ein Ziel weg von etwas. (ZB man will gesünder leben – man setzt sich das Ziel, keine Fertigprodukte zu essen.)
  • Harmonische Ziele:
    Die Ziele sollten zueinander passen und nicht widersprüchlich sein.
  • Flexible und angemessene Ziele:
    Man passt die Ziele immer wieder an die Gegebenheiten an.
  • Aktivitätsziele:
    Man setzt sich das Ziel, eine neue Tätigkeit aufzunehmen (ZB künstlerische Betätigung, Mitgliedschaft bei einem Wanderverein.)

Extrinsische Ziele und Vermeidungsziele sind nicht förderlich, um längerfristig glücklicher zu werden.

Wie kannst du ein Ziel für dich finden?

Nimm dir Zeit, lege dir ein Blatt Papier und einen Stift zurecht. Mache es dir gemütlich. Und nun lass dich auf die Methode ein: schreibe deine Lebensgeschichte im Rückblick auf. Stell dir vor, du sitzt mit 90 Jahren (oder noch älter?) im Garten und schreibst deine Lebensgeschichte für deine Nachkommen auf. An was sollen sie sich erinnern? Was hast du erlebt, was erreicht? Was war dir wichtig? Formuliere den Text in der ersten Person.
Nimm dir den Text immer wieder zur Hand und lies ihn dir durch. Worauf kommt es in deinem Leben an? Was ist dir wichtig? Die Antworten darauf wirst du in diesem Schreiben finden.

Nachdem du die Antworten gefunden hast, formuliere ein oder mehrere Ziele. Achte aber darauf, dass es kein extrinsisches oder Vermeidungsziel ist.
Nun teile dein Ziel in Etappenziele auf und lass dich leidenschaftlich auf die Umsetzung ein. Hast du ein Etappenziel erreicht, feiere es.

Hast du dein Ziel erreicht? Gratuliere! Du hast geschafft! Warte nicht zu lange, mach dich wieder auf die Suche nach neuen Zielen.

Fazit: ein Buch, das mich auf meinem glücklicheren Lebensweg begleiten darf

Dieses Buch habe ich im Zuge der Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin lesen müssen. Für mich war und ist es ein Geschenk. Es ist leicht und verständlich zu lesen. Die Thematik wird wissenschaftlich gut belegt. Es fließen immer wieder Infos und Fallstudien aus der Forschung ein. Gut finde ich, dass es mehrere Selbsttests gibt. So kann mein eigenständig herausfinden, welche Methoden gut zu einem passen. Die Methoden werden ausführlich und gut beschrieben. Es motiviert um ins Tun zu kommen.

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9 Responses

  1. Sue Wohlheim sagt:

    Liebe Dani,
    Das Buch finde ich nach Deiner Rezenssion nach sehr ansprechend und es lohnt sich bestimmt, dieses zu lesen. Die Selbsttests finde ich in einem Buch immer sehr hilfreich auch die verschiedenen Arten von Ziele, welche es gibt! Die Übung, sich als alter Mensch zu sehen und seine Lebensgeschichte aufzuschreiben, habe ich selbst bereits in ähnlicher Form in einem Seminar machen müssen. Danke für diese Anregung! Ich finde, diese Übung ist es wert, sie immer wieder einmal zu machen um den Weg zu meinen Zielen weiter zu gehen! Für mich ist es eine wunderbare Rezension, die Du geschrieben hast!
    Liebe Grüsse, Sue

    • Daniela sagt:

      Liebe Sue!
      Vielen herzlichen Dank für deine schöne Rückmeldung! Ja, diese Übungen im Buch sollte man immer wieder einmal machen. Ich hole mir das Buch regelmäßig aus dem Buchregal um mich daran zu erinnern, was ich tun kann, damit es mir gut geht.
      Dir alles Liebe, Daniela

  2. Marita sagt:

    Danke, liebe Daniela!

    Was für eine coole Zusammenfassung, da sind richtig gute Tipps dabei und es zeigt mal wieder, dass wir es in der Hand haben, wie glücklich wir sind.

  3. Anke sagt:

    Liebe Daniela, für mich hast Du die Buchrezession sehr gut, kompakt und nachvollziehbar aufgebaut, und es ist auch echt schön zu lesen! Glückwunsch und Danke für die Inspirationen und Deine Mühe. Liebe Grüße von Anke

  4. Lidija sagt:

    Liebe Dani,
    danke für diese inspirierende Rezension. Sie macht neugierig. Das Buch kommt direkt auf meine Liste. 😀
    Ich bin sehr gespannt darauf, es selbst zu lesen.
    Liebe Grüße
    Lidija

  1. 21. August 2022

    […] Methoden, die einen unterstützen, langanhaltend glücklicher zu sein. Hier findest du eine Buchrezension von […]

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