Wie ist das mit dem Segen?

Segen… „Was ist mit der Säge?“, das fragen mich manche Kinder im Religionsunterricht, wenn sie zum ersten Mal bewusst das Wort Segen hören.

Ja, wie ist das nun mit dem Segen? Der Moment, wenn im Gottesdienst unsere Pfarrerin die Körperhaltung für die Segensworte einnimmt, ist für mich besonders. Die hochgehobenen Arme, die Ärmel, die beim Talar so weit geschnitten sind, erinnern mich an Engelsflügel. Als nächstes nehme ich die gesprochenen Worte wahr: „Der Herr segne und behüte dich …“ Es macht etwas mit mir. Es ist schwer in Worte zu fassen. Ich fühle mich gesehen und angenommen, behütet und beschützt.

Sketchnotes Pfarrerin Körperhaltung Segen

Aber was hat es nun wirklich mit dem Segen so auf sich?

Segen im Alltag

Segen begegnet mir nicht nur im Gottesdienst. Er begleitet mich durch den Alltag. In unserer Wohnung haben wir im Vorraum einen Haussegen an der Wand hängen. In der Küche steht ein Aufstellkalender, in dem immer wieder Segenssprüche vorkommen. Und im „Losungsbuch für junge Leute“ stoße ich auch regelmäßig darauf. Dies sind Texte, die ich mir bewusst in mein Leben geholt habe.

Es gibt aber auch diese beiläufigen Segensworte, die mir tagtäglich zugesprochen werden. Wobei ich vermute, dass es vielen gar nicht bewusst ist, dass es Segensworte sind.

Das Wort „Tschüss“ kommt von „adieu“ und bedeutet „sei Gott befohlen/ anvertraut“. „Pfiad di“ steht für „Behüt dich (Gott)“. Ich grüße meist mit „Grüß Gott“. Dieser Gruß bedeutet „Gott segne dich“.

Meine Nachbarin zeichnet beim Abschied mit ihrem Daumen ein Kreuz auf die Stirn ihrer Enkelkinder. Manchmal verbunden mit einem ausgesprochenen Segen, ein anderes Mal ohne Worte.

Welche Bedeutung hat das Wort Segen?

Wenn man im Duden nachschlägt, findet man unter anderem diese Beschreibung: „durch Gebetsworte, Formeln, Gebärden für jemanden, etwas erbetene göttliche Gnade, gewünschtes Glück und Gedeihen“. Andere Bedeutungen sind zB Einwilligung, Glück und reicher Ertrag.

Aus biblischer Sicht ist eine kurze und knappe Definition für Segen bzw. segnen nicht leicht festzumachen. Das Wortfeld Segen bzw. segnen kommt in der Bibel häufig vor: ca. 640 mal im Alten Testament und 28 mal im Neuen Testament. Die Bedeutung ist sehr vielfältig.

Grundsätzlich kann man sagen, dass das Wort „segnen“ vom lateinischen Wort „signare“ stammt und „bezeichnen“ (mit dem Kreuz) meint.

Segen in der Bibel

Mit dem Thema „Segen in der Bibel“ kann man mit Sicherheit eine Masterarbeit füllen. In diesem Blogartikel möchte ich diesen Bereich nur kurz anreißen.

Die Bibel ist voll mit Segensgeschichten. Schon im ersten Kapitel segnet Gott die Tiere und die Menschen (1. Mose 1,20-28).  Nach der Sintflut segnet Gott Noah und seine Familie (1. Mose 9,1). Eine Erzählung, die mir zum Thema Segen sofort einfällt, ist die Geschichte rund um Abraham. Bei seiner Berufung wird er von Gott gesegnet (1. Mose 12,2). Aus dem Neuen Testament ist die Erzählung der Kindersegnung durch Jesus sehr bekannt (Markus 10,13-16).

Interessant ist, dass Gott zuerst den Priestern den Auftrag zum Segnen gegeben hat (4. Mose 6,27). Spätestens ab dem Neuen Testament erweitert sich der Auftrag auf alle Christen (allgemeines Priestertum: 1. Petrus 2,5.9, Offenbarung 1,6).

Noch ein paar Gedanken

Im „Kleiner Evangelischer Erwachsenenkatechismus“ steht zum Thema „Segen“ geschrieben, „dass der Segen auf das Leben im Shalom zielt.“ Shalom wird größtenteils mit dem Wort Frieden übersetzt. Frieden im deutschen Sprachgebrauch meint meist, die Abwesenheit von Streit und Krieg. Shalom ist aber so viel mehr. Es geht um die Ganzheit des Menschen. „Es geht beim Segen immer um den ganzen Menschen, wie er lebt und ist; es geht darum, dass der Mensch ganz und heil wird.“

Wenn mich die Kinder in der Schule fragen, was Segen ist, dann antworte ich wie folgt: „Man wünscht einem Menschen etwas Gutes, das von Gott kommt. Ich wünsche es, kommen tut es aber von Gott. Es ist etwas Kostbares und Besonderes.“ Wir lesen verschiedene Segenssprüche und wer mag, darf sich von mir segnen lassen. Mir geht mein Herz auf, wenn die Kinder sich anschließend von sich aus gegenseitig einen Segen zusprechen. Was will man mehr als Religionslehrerin.

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8 Responses

  1. Marita sagt:

    Das ist ja spannend, vielen Dank fürs Aufklären, liebe Daniela. Ich kann mir vorstellen, wie berührend es ist, wenn sich die Kinder dann gegenseitig segnen. Das wäre auch mal eine gute Idee für uns Erwachsene 😉

    • Lmk_25duT sagt:

      Liebe Marita,
      Dankeschön für die Rückmeldung! Ja, es ist echt berührend. Sie machen das so aufmerksam und behutsam. Da können wir Erwachsenen noch so einiges dazulernen.
      Liebe Grüße, Daniela

  2. Lidija sagt:

    Liebe Dani,
    wie schön! Ich erlebe das bei meinem Sohn, wie er alles Neue in sich aufnimmt und ganz aufmerksam und verzaubert ist. Es ist toll, wenn man Kindern auch den Glauben mit so einfachen, aber bedeutenden Gesten, näher bringen kann.
    Danke fürs Teilen.
    Liebe Grüße
    Lidija

    • Daniela sagt:

      Liebe Lidija!
      Vielen Dank für deinen Kommentar und das Teilen deiner Erfahrung! Kinder sind so offen und aufmerksam. Von ihnen können wir viel lernen.
      Liebe Grüße
      Dani

  3. Anke sagt:

    Liebe Daniela,
    genau das Thema segnen hat mich immer schon beschäftigt. Ich wünsche so gerne meinen Freunden Glück und Segen oder Kraft und Segen. Und immer fühlte ich mich dabei etwas vermessen. Wie kann ich segnen, daß darf doch eigentlich nur ein Pfarrer. Und doch hatte ich kein anderes Wort dafür, als den Segen. Es ist ein wahrlich starkes Wort und kann durch nichts ersetzt werden.. Das ich es spreche und Gott es erfüllt gefällt mir, denn so ist es. Ich lade also die guten Energien ein.
    Liebe Grüße von Anke

    • Daniela sagt:

      Liebe Anke!
      Bei deinem Kommentar spüre ich richtig, wie besonders und kostbar Segen für dich ist. Das ist total schön. Und ja, Segen ist auch besonders und kostbar. Aber das weiterzugeben steht nicht nur den PfarrerInnen zu. Wir alle dürfen das tun. Und das ist so großartig daran. Mir ging es zu Beginn aber ähnlich. Ich fragte mich auch, wer bin ich denn. Bis ich lernen durfte, dass Segen dafür da ist, weitergegeben zu werden.
      Du hast es für mich schön formuliert, die guten Energien einladen. Dieses Bild für Segen gefällt mir sehr gut. Danke dafür!
      Liebe Grüße
      Daniela

  4. Andrea sagt:

    Liebe Daniela, wie wunderbar und in schöne Worte gepackt hast du den Segen. Ich liebe Segen! Den im Gottesdienst, den, den ich fühle, wenn ich in einer Kirche bin, dann, wenn ich mich gesegnet fühle. Und noch meh, den, den mir Freunde oder sehr verbundene Menschen schenken. Für mich steckt da so viel Fülle und Reich-tum drin – ein so schönes Geschenk. In der Tat liebe ich es auch Segen zu verschenken. Ich wünsche dir eine segensreiche Zeit. Alles Liebe, Andrea

    • Daniela sagt:

      Liebe Andrea!
      Vielen Dank, dein Kommentar ist so schön zu lesen! Der Segen, der uns begleitet und dem wir fast ständig über den Weg laufen. Fülle und Reichtum – eine schöne Beschreibung.
      Danke, dir auch eine gesegnete Zeit und alles Liebe, Daniela

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