Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur evangelischen Religionslehrerin

Ja wer bin ich eigentlich? Wir alle wissen, dass wir viele verschiedene Rollen im Leben haben. Für diesen Blog-Artikel habe ich mich für meine Rolle als Religionslehrerin entschieden. Als Kind wusste ich noch nicht, was ich werden möchte. Irgendwann kam die Idee, dass ich als Kindergartentante arbeiten möchte. Ich hatte keinen Plan B. Tja, Plan A ging nicht auf. Und so landete ich nach der Matura in der Privatwirtschaft als Büroangestellte. Wie ich den Wechsel in das Schulwesen geschafft habe, erzähle ich dir in diesem Blog-Artikel.

  1. 1986 – 1994 Religionsunterricht: Ich gehöre zu einer Minderheit. Das wurde mir mehr oder weniger als Volksschulschülerin bewusst. Zum Religionsunterricht wurde ich aus dem Klassenverband geholt. Mit vier SchülerInnen aus anderen Klassen hatte ich eine Wochenstunde Religionsunterricht. Ich liebte es, fühlte mich besonders.
Mädchen spielt in einer Sandkiste.
1986 beim Spielen in der Sandkiste bei meiner Tante und meinem Onkel im Garten.
  1. ab 1986 Kindergottesdienst: Ich war nur selten im Kindergottesdienst. In meiner Familie spielte Religion bzw. Glaube nicht wirklich eine Rolle. Ich fühlte mich in der Pfarrgemeinde willkommen. Vielleicht deswegen, weil meine ehemalige Kindergartentante in der Pfarrgemeinde ehrenamtlich tätig war (und es noch immer ist).
Es ist zwar kein Foto aus meiner Kindheit, aber so habe ich einmal mit den Kindern im Kindergottesdienst Pfingsten gefeiert – den Geburtstag der Kirche.
  1. 1987 erste Kinderbibel: Ich liebe schon seit Kindesbeinen an Buchhandlungen. Mein Vater ging regelmäßig in die örtliche Buchhandlung und ich durfte ab und zu mit. Eines Tages entdeckte ich dort eine Kinderbibel. Sie war für mich wie ein kostbarer Schatz. Da steht alles über Gott und die Welt drinnen. Lange habe ich gebraucht, bis ich mich traute, meine Oma zu fragen, ob sie sie mir kaufen würde. Sie hat mir diese Bitte natürlich nicht abgeschlagen.
  1. 1988 Kinderstunde zuhause: Einzelunterricht zuhause könnte man es auch nennen. Meine Schwester hatte ihr Konfi-Jahr und begann ehrenamtlich in der Pfarrgemeinde zu arbeiten. Zuhause machte sie mit mir ab und zu eine Kinderstunde. Vielleicht war es auch nur einmal… Für mich war es prägend: Jesus möchte mein Freund sein. Er geht mit mir auf meinem Lebensweg.
  1. 29. Mai 1994 Konfirmation: Mein Ja zur Taufe, zum Glauben, zur christlichen Gemeinschaft, zu Gott. Festgottesdienst mit der Familie mit anschließendem Essen im Gasthaus, Kaffee und Torte zuhause und natürlich Geschenke, die Erinnerungsstücke sind. Ich wurde in der Pfarrgemeinde, in der ich heute noch bin, getauft und konfirmiert. Es ist ein Zuhause für mich geworden.
  1. ab ca. 2000 Ehrenamt: Darf ich das so einfach, ganz ohne Ausbildung? Das dachte ich mir, als ich gemeinsam mit meiner Schwester Kindergottesdienste und den Kinderkreis gestalten durfte. Das war eine Zeit: Ausflug in den Tierpark, Zeltlager im Garten meiner Schwester, einstudieren und Vorführung des Zachäus-Musicals, gemeinsam Gottesdienst feiern uvm. In dieser Zeit wuchs der Wunsch in mir, mehr Hintergrundwissen im Bereich Religionspädagogik zu erwerben.
Zeichnung Menschenkette rund um einen Regenbogenfisch
Dieses Logo habe ich für unseren
damaligen Kinderkreis gezeichnet.
Bunt und vielfältig, der Glaube im Mittelpunkt.
  1. Sep. 2003 – Feb. 2004 Studium an der ERPA in Wien: Manchmal kommt es anders als man denkt. Im Herbst 2003 begann ich berufsbegleitend mit dem Studium „Lehramt evangelische Religion“. Es war unglaublich interessant und ich lernte so großartige Menschen kennen. Aber manchmal kann man planen und tun und dann kommt doch alles anders. Nach dem ersten Semester brach ich das Studium aus privaten Gründen ab. Ein großer Umbruch fand in meinem Leben statt.
Ich entdeckte neue Methoden und Zugänge.
Bunt und kreativ – das ist ganz meins.
  1. 2009 – 2016 Studium an der KPH Wien: Manche Träume lassen sich nicht so einfach zur Seite schieben. So auch mein Wunsch, das Studium zur evangelischen Religionslehrerin zu machen. Im Herbst 2009 begann ich wieder zu studieren – „Lehramt evangelische Religion“ in berufsbegleitender Form. Aus der ERPA wurde die KPH, aus dem Diplomstudium ein Bachelorstudium. Diesmal zog ich es durch. Das Studium war wohl eine der prägendsten Zeiten in meinem Leben. Immerhin kostete es mich eine Erschöpfungsdepression. Aber das ist eine andere Geschichte.
Frau sitzt an einem Tisch in einem Gasthaus.
Nach der Bachelor-Feier gab es ein gutes Essen im Kreise der Familie.
  1. 2011 Religionslehrerin Daniela Streissnig: Wenn Träume sich erfüllen! Ab 2011 durfte ich bereits neben dem Studium einen Tag in der Woche unterrichten. Montags war ich in den Schulen unterwegs. Von Dienstag bis Freitag arbeitete ich in einem Büro. Der Montag fühlte sich nicht nach Arbeit an.
Passfoto von einer Frau
2014: mein erstes
Lehrerin-Foto
  1. 2014: Hurra, geschafft! Ich wechselte als Vollzeitkraft in den Schuldienst. Wie bereits erwähnt, gehört man als Evangelische/ Evangelischer in Österreich zu einer Minderheit. In meinem Gebiet sind nur wenige Schüler/innen evangelisch. Ich unterrichte heuer ca. 120 Schüler/innen an 18 Schulen. Mein Auto nenne ich „fahrendes Lehrmittelzimmer“. Das Rundherum ist oft anstrengend, aber die eigentliche Arbeit – das Unterrichten – macht mir nach wie vor Spaß.
  1. Heute stelle ich mir öfters die Frage, wie es weitergehen wird. Jedes Schuljahr ist etwas anders. Mal gibt es mehr und mal weniger Stunden. Das Unterrichten macht mir Freude. Aber ich merke, dass ich wieder auf der Suche nach neuen Herausforderungen bin. Das ist auch ein Grund für diesen Blog. Mal schauen, was so alles noch kommen wird.
Selfies sind noch ungewohnt für mich. Aber was tut man nicht alles für einen Blog 🙂

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10 Responses

  1. Hallo Daniela, danke für diesen Einblick in dein Leben! Die Freude am Unterrichten ist deutlich rauszulesen. Ich bin gespannt, was als nächstes auf dich wartet.
    LG, Djuke

    • Lmk_25duT sagt:

      Liebe Djuke! Vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich, dass man beim Lesen meine Freude am Unterrichten spüren kann. Ich bin auch gespannt, was noch so kommen wird. Ich habe gesehen, dass du ebenfalls einen Blog-Artikel zu diesem Thema geschrieben hast. Da werde ich gleich auf deine Homepage rüberspringen. LG, Daniela

  2. Liebe Daniela.
    Du sprühst Leben in deinen Worten und Bildern. Das brauchen die Kinder.
    Toll.

  3. Lisi sagt:

    Wie wunderschön, das zu lesen! Ich staune immer wieder, welch seltsame Wege es gibt. Ich wünsche dir von Herzen, dass du den Samen der Hoffnung und des Glaubens auch deinen Schüler*innen weiter geben kannst.

    • Lmk_25duT sagt:

      Liebe Lisi!
      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Ja, die Wege sind oft sehr unterschiedlich. Das Schöne ist, dass ich dich auf diesem Weg kennenlernen durfte und ganz viel von dir lernen darf. Danke dafür!
      Liebe Grüße, Daniela

  4. Lidija sagt:

    Liebe Dani,
    ich finde es toll, wie du deinen Weg beschreibst und trotz der Hindernisse an deinem Traum festhalten konntest, bis er wahr wurde.
    Ich bin auch auf der Suche nach neuen Herausforderungen und freue mich auf auf unsere gemeinsame Reise.
    Schön, dass wir uns kennenlernen durften.
    Liebe Grüße und bis bald
    Lidija

    • Daniela sagt:

      Liebe Lidija!
      Vielen herzlichen Dank für deine Rückmeldung! Das Schöne ist, man darf sich wieder neue Träume kreieren. Es hört nicht auf.
      Ich freue mich auch sehr, dass wir uns zukünftig gegenseitig motivieren und unterstützen werden.
      Liebe Grüße
      Daniela

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